Mit der Vespa 125 Faro Basso zum Sieg

Tatiana Munerato mag es, wenn alles glatt geht und das heisst bei Prodir: der reibungslose Ablauf von Sendungen und Dokumenten und die rigorose Einhaltung von Terminen. An den Wochenenden jedoch bedeutet es etwas vollkommen anderes: Eine Vespa Baujahr 1957, zwei Räder und ein Sport, bei dem Präzision wichtiger ist als Geschwindigkeit. 

Tatiana nimmt an Gleichmässigkeitsrennen teil, das ist eine Disziplin, bei der es um Timing und Konzentration geht. Die FahrerInnen folgen einer mit Lichtschranken markierten Route und versuchen, jeden Kontrollpunkt auf die Sekunde genau zu passieren. Das klingt einfach, aber in Wirklichkeit verlangt es den TeilnehmerInnen sehr viel ab, denn die Strecken sind lang, das Wetter macht, was es will, und die Maschinen sind alt… all das bedeutet: Es gibt nur sehr wenig Spielraum für Fehler.

Das Fahrzeug ihrer Wahl ist eine Vespa Faro Basso, ein Model mit breitem Rahmen aus den 1950er Jahren mit dem charakteristischen, tiefsitzenden Scheinwerfer und der Lenkstange mit den beiden Griffen wie bei einem Fahrrad. Eine Design-Ikone, die 1953 in dem Film Ein Herz und eine Krone mit Gregory Peck und Audrey Hepburn berühmt wurde. Wie bei jedem Oldtimer-Fahrzeug braucht es Können, Umsicht und weitreichendes Know-how, um es nicht nur zum Laufen zu bringen, sondern so zum Laufen, dass es so gut fährt, dass man damit auch gewinnen kann. 

Tatiana fährt für den Vespa Club Meran, einen der traditionsreichsten Clubs in ihrer Heimat Südtirol. In diesem Jahr reiste sie mit ihrem Club quer durch ganz Italien, von Lecce bis Campobasso, und nahm insgesamt an 21 Rennen teil. Beim 1’150 Kilometer langen Giro dei Tre Mari belegte sie in ihrer Kategorie den zweiten Platz, ausserdem gewann sie den nationalen «Faro Basso»-Titel in der Meisterschaft der historischen Fahrzeuge, stieg damit in die Expertenklasse auf und wurde damit zur ersten Frau Italiens, die dieses Niveau erreichte.

Dabei ist nie garantiert, dass alle Teilnehmenden diese Veranstaltungen auch beenden, vor allem nicht mit diesen Maschinen, die ihre sieben Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Aber Tatianas Konstanz, ihre Geduld und ihr technisches Geschick, haben ihr in einem Sport zu grossem Erfolg verholfen, in dem sich alles um Präzision dreht. Und in der nächsten Saison wird sie unter den Allerbesten antreten.