Die Musik macht den Käse

Käsehersteller wissen seit jeher, dass das Zusammenspiel von Temperatur, Feuchtigkeit, Umgebungsbedingungen und Bakterien aus einigen wenigen Milcharten die riesige Vielfalt an Käsesorten hervorbringt, die wir weltweit kennen.  Aber welche Rolle spielen dabei eigentlich Klänge? Musikalische Klänge?

In einem Gemeinschaftsprojekt haben die Hochschule der Künste Bern (HKB) und der Käsehersteller Käsehaus K3 ein Experiment durchgeführt, um herausfinden, ob Emmentaler Käse unterschiedlich reift, wenn er sechs Monate kontinuierlich mit unterschiedlichen Musikstücken beschallt wird. Und was sie herausfanden, überraschte sie – und die Welt.

Die Ergebnisse haben gewissermassen viele Theorien ausgehöhlt, die den Geschmack von Wein und anderen Lebensmitteln mit dem jeweiligen Terroir in Verbindung bringen. Denn die Musik, die den besten Schweizer Käse hervorbrachte, war weder die vom Büchel oder seinem bekannteren Artgenossen, dem Alphorn noch die vom diatonischen Schwyzerörgeli. Und unvorstellbarerweise waren es auch nicht die Klänge vom Hackbrett, vom Talerschwingen oder der populären Ländlermusik, die für den besten Käse sorgten.

In nicht nur einer, sondern gleich zwei aufeinander folgenden Verkostungen waren sich die Jurymitglieder einig: Der Käse mit dem besten Geschmack war der Käse, der mit dem aus dem Jahre 1991 stammenden Hip-Hop-Stück Jazz (We’ve Got) der Gruppe A Tribe Called Quest beschallt worden war. Und dieser Käse liess selbst mit Mozart oder Led Zeppelin beschallte Konkurrenten hinter sich.

Falls eingefleischte Schweiz-Fans und traditionelle Musikliebhaber irritiert sein sollten von dieser ungewöhnlichen Partnerschaft ihres geliebten Emmentalers mit dem (zugegebenermassen gereiften) amerikanischen Hip-Hop, sollten sie sich dennoch keine zu grossen Gedanken machen. Tatsächlich war nämlich keiner der oben genannten traditionellen Schweizer Musikstile in der Playliste des Experiments vertreten. Und der einzige Schweizer Beitrag war das Musikstück Monolith der Schweizer Band Yello aus deem Jahr 1997.

Mit anderen Worten, oder wie es die Experimentatoren formuliert haben: Jetzt wartet eine ganz neue Welt der „beschallten Reifung“ darauf, entdeckt zu werden. Und wie auch immer die Jurymitglieder dann entscheiden mögen: Wir bei Open freuen uns auf den Tag, an dem wir einen Emmentaler AOP verkosten können, der während seiner Reifung mit einigen phantastischen, heimischen A-cappella-Jodelklängen beschallt wurde.

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Photo credits: REUTERS/Denis Balibouse